Telefonnummer

+4917634335426

E-Mail

mail@wesentlichwerden.de

Die Momente, in denen ein Sinn ganz pur wahrgenommen wird, haben etwas heiliges und zugleich superschlichtes. Dieses pure Erleben ist eben genau das: pur, unverfälscht. Vielleicht sogar rein.

Da ist nichts weiter als Sehen, Schmecken, Hören, Fühlen… Die Bewertung und damit Bedeutung für unsere Geschichte kommen erst später dazu. Aber das verändert eigentlich nichts an der Reinheit der Erfahrung.

Davon erzählt die heutige #SinnGeschichte

An meinem 18. Geburtstag war ich in Nicaragua, auf meiner ersten langen Reise – die  Glückwünsche und Liebesbekundungen meiner Familie nahm ich an einer Tankstelle mitten im Regenwald entgegen, von der es seltenerweise möglich war, ein Ferngespräch zu führen.

Dass ich dort war, lag an der ansteckenden Begeisterung meiner Spanischlehrerin- die einzige Lehrerin die ich jemals duzte -, ihrer Einladung an uns Schüler ihres Kurses, am Austauschprojekt mit unserer Partnerstadt teilzunehmen, und natürlich an meiner Lust die Welt zu entdecken! Es waren die 90er, und auch unsere Stadt war mit einem Städtchen in Nicaragua verpartnert.

Drei Wochen lang lebten und arbeiteten wir mit auf einer Kaffefinka, bauten, lernten Bildungsprogramme kennen. Vom Tag der Revolution ganz abgesehen, an dem wir in der größten Party der Hauptstadt landeten.

Und überhaupt war sehr vieles sehr anders als in Deutschland. Ganz besonders auf der Kaffeefinka, 3h Autofahrt vom nächsten Ort entfernt, mitten im Regenwald gelegen. In zwei Gebäuden gab es  Strom, fließendes, sauberes Wasser war begrenzt.

Vor allem aber gab es dort wohl das einfachste, pure Essen, an das ich mich erinnern kann. Es waren rote Bohnen, Reis und Maistortillas, die jedes Mal auf einem Ofen frisch zubereitet wurden. Dieses Trio gab es täglich – morgens, mittags, abends.

Schmecken pur: die leicht salzige, glatte Oberfläche der Bohnen, deren Haut am Gaumen leicht aufknackte und dann mehlig und aromatisch schmeckte. Der weiße Reis mit etwas Öl, so dass der Teller am Ende immer ein klein wenig fettig war; die weichen, warmen Maisfladen. Ganz ehrlich: die Purheit dieses Schmeckens waren gute Momente, ohne Meinung- einfach, schmeckend.

Die Bewertung und eine Einordnung in einen größeren Zusammenhang kam natürlich auch – denn selbstverständlich fehlte es an Vitaminen, Obst und Gemüse. Natürlich war es ein Missstand für die Dorfbewohner auf einer Kaffeeplantage zu arbeiten und in der eigenen Dorfküche nur Instant Kaffee zu trinken, und so viel anderes mehr.

Ich lernte: Schräglagen und Risse machen die guten Momente nicht weniger gut. Auch dass es dieses Schöne gibt, lässt die Risse und Schräglagen nicht verschwinden, aber die guten Momente sind wie Türöffner zum Herzen.

Seit den salzigen, weichen, roten Bohnen mag ich es, in Momenten mit Schräglage oder Riss in die Purheit einer Sinneserfahrung zu gehen:

Höre. Schmecke. Rieche. Fühle.

Das ist mein Kurzurlaub vom Gedankenstress. Mittlerweile habe ich viele „rote Bohnen- Momente“ gesammelt, und es werden immer mehr.

Wie ist das bei Dir? Erinnert sich Dein Körper, wo Du inmitten einer misslichen Situation einmal etwas geschmeckt, gehört.. hast, das eigentlich ziemlich schön war?

Viel Freude beim Erinnern und Entdecken..!

Empfohlene Artikel