Telefonnummer

+4917634335426

E-Mail

mail@wesentlichwerden.de

Manche Lebensgeschichten speichern sich ja in unseren Sinnen und Zellen ab, ohne dass wir sie direkt erinnern. Bei den leckeren, nahrhaften Erinnerungen kommt dies meist mit einem inneren Seufzen von „oh jaaaa…“ daher. Da geht das Herz auf, da entspannt sich der Körper, sind wir kreativ, entspannt und sexy.
Und dann gibt es natürlich auch die anderen LebensGeschichten. Die, die doof, peinlich oder richtig schlimm waren- so schlimm, dass sie „ab in den Keller“ mussten, um uns bloß nicht wieder daran zu erinnern. Der Raum, in dem sie sich dann einrichten, ist der „Wunde Punkt“ auf emotionaler, oder auch „Triggerpunkt“ auf körperlicher Ebene.
Wohin damit? Vom Paradoxon der Absichtslosigkeit, die wandeln kann
erzählen die heutigen #SinnGeschichten:

I
Es ist Tag 2 in meinem Ausbildungskurs für die Körperarbeit Lomi Lomi, und ich darf auf der Liege sein, denn mein Kollege ist an der Reihe, die Massagetechniken für die Beine an mir zu üben.
Es ist muckelige 27° Celsius warm, draußen hat es dick geschneit und in unserem Raum spielt wirklich schöne Musik auf hawaiianisch. Klingt kitschig, ist aber einfach wunderbar. die der Lehrerin und uns beiden Teilnehmern Nachdem meine Beine mit warmem Öl und langen Strichen der Unterarme eingeölt wurden, nehmen warme, freundliche Hände mein Bein, winkeln es an und beginnen, an meiner Wadenmuskulatur zu üben. Was ich nicht ahnte: in meiner Wade wohnt ein ganzes Nest von schmerzhaften Punkten. Sobald sich die forschenden, wohlmeinenden Hände diesen nähern, um sie fachmännisch „aufzudröseln“, spannt sich mein gesamter Körper an, ich höre irgendwie auf zu atmen, alles geht auf Abwehr. Aua! Viel zu nah! Viel zu schmerzhaft! Geh weg da!!
Dann kommen die wendenden Worte der Lehrerin an den Lernenden:
„Erinnere Dich noch einmal an die Absichtslosigkeit, mit der Deine Hände in Kontakt gehen.“

Und auf einmal hört das „Herumdröseln“ an meiner Wade auf. Was bleibt: da sind immer noch meine Schmerzknubbel, und da sind auch immer noch Fingerspitzen, die sie fühlbar machen. Aber nun sind die Fingerspitzen mehr wie ein Spiegel, mehr wie ein offenes Gefäß. Die wollen nichts- sie sind einfach da, irgendwie ist es, als hörten sie ganz offen hin- und ich kann nun selber in die Knubbel spüren. Auch der Schmerz verändert sich – es ist mehr eine körperliche starke Empfindung, so etwas klopfendes – und ich bin fast ein bisschen neugierig. Dann auf einmal fließen Tränen, viele Tränen und danach ein befreiendes Lachen, das mir erst peinlich ist, aber was soll´s ..! Die Hände helfen beim Ausstreichen, das ist alles.
Am nächsten Morgen sind einige der Knubbel verschwunden, und alles in mir fühlt sich ein bisschen gerader, ein bisschen weicher an – und etwas vertrauensvoller.


II
Ein Nachmittag mit Bekannten. Wir sitzen bei smalltalk zusammen, und landen bei einem Thema, in dem es für mich plötzlich „kracht und knirscht“. Knirschen in Körpersprache heißt: ein zusammengezogener Bauch und ein enger Hals, feuchte Hände. Alarmstufe orange. Irgendwas finde ich gerade richtig richtig doof, ohne es bemerken.
So doof, dass ich total in Gedanken bin, meine Körpersprache nur am Rande mitbekomme und total allergisch reagiere. Die Stimmung wird noch enger, und mit einem :“also bitte, jetzt stell Dich doch nicht so an, das wird man ja wohl noch fragen dürfen..!“ verlassen wir das Thema, zurück zum small talk… das Knirschen rutscht eine Kellerstufe weiter in den Körper hinab.

III
Ein Nachmittag mit Freunden. Wir sind mittlerweile bei der dritten Kanne Tee, und landen bei einem persönlichen Thema, in dem es gerade „knirscht“. Knirschen in Körpersprache heißt: ein zusammengezogener Bauch und ein enger Hals.
Weil ich mich mit den Freunden sicher fühle, kann ich das so sagen: „puh, mir zieht sich dabei gerade der Magen zusammen, und mir wird´s ganz eng im Hals“.
Und wie ein warmes Paar Hände legt sich unsere Aufmerksamkeit absichtslos und offen auf diese Worte, meine Wahrnehmung und ihr Echo im Raum.
Keine Erklärung, keine Analyse notwendig, nichts muss kommentiert oder ein Rat gegeben um das Gefühl schnellstmöglich „wegzumachen“. Es ist einfach mit da. …
bis.. kurz nachdem es so benannt wurde, sich löst.

















*

Empfohlene Artikel