SinnGeschichte10 „Singen ist Medizin“- ein Tag mit den Kekolos – dem Chor der Kehlkopfloesen

„Singen ist Medizin“ – Sing-Workshop mit den KeKoLos in Siegen
dem Chor der Kehlkopflosen
Ist es wirklich schon drei Jahre her? Auf meiner Anreise durch das weite, nebelige und hügelige Siegerland wundere ich mich, wie gut mir noch der letzte SingWorkshop bei den KeKolos in Erninnerung ist – aber es ist einfach auch eine tolle Gruppe von besondern Menschen!
Bald 10 Jahre gibt es den Chor der Kehlkopflosen, alles Menschen die durch eine Krebserkrankung ihren Kehlkopf entfernt bekamen und danach atmen und sprechen neu lernten – mithilfe des Stoma.
Ein Mann sagte nach seiner OP im Herbst, dass er auf jeden Fall zu Weihnachten mit seinem Enkel deren gemeinsames Weihnachtslied singen wolle. „OK!“ sagte die Logopädin Nicole Hübenthal,
– es fanden sich noch mehr Menschen – und so war der Anfang gemacht: die Kekolos waren geboren!
Vor drei Jahren lernten wir uns auf einer Singveranstaltung der (Bonner/Umland) Selbshilfegruppen kennen und lieben! Ich war berührt und beeindruckt vom Klang und der herzlichen Stimmung der Kekolos, und sie wiederum waren ganz angetan vom Liedgut der Heilsamen Lieder: „Manche Texte passen einfach supergut auf unsere eigene Geschichte“, sagen sie – und so luden sie mich auch dieses Jahr ein, um ihr Repertoire zu erweitern.
„Ein kleines Lied, ein klitzekleines Lied, ein kleines Lied jeden Tag…
ändert dein Leben, und es bleibt nichts wie es war“ gehört zum festen Repertoire, ebens wie
„Singen ist Medizin“
und wurde auch in der Kirche zum 40jährigen Jubiläum des Verbandes der Kehlkopfoperierten gesungen.
Ob sie sich verbessert hätten, wollen sie von mir wissen?
Aber hallo! Wenn das Ohr sich auch erst einmal umgewöhnen muss: ich kann deutlich hören, dass mehr Modulationsfähigkeit öglich ist, sie variieren in Lautstärke, einheitliche Rhythmen, die früher herausfordernd waren, sind gar kein Thema mehr: sie legen sogar einen lupenreinen „Frühstücks-Rap“ hin und auch zweistimmige Songs mit kurzen einwürfen: ich bin begeistert 🙂 Das ght ganz klar auch auf die tolle musikalische Begleitung und Leitung von Kurt Freund, der Musiker, Chorleiter und Gitarrist der Kekolos.
Doch neben den musikalischen Schritten bin ich auch dieses Mal einfach hin und weg vom Gemeinchaftsgeist dieses Chores, und lerne viel dazu:
von dem Wunsch, noch mehr Menschen Mut zu machen, dass auch nach einer so einschneidenden Lebensveränderung Leben in Gemeinschaft weiterhin möglich ist – und eine größere Lobby. („Alle reden über Brustkrebs, aber keiner will was von Kehlkopfkrebs hören – das frustiert..“)
Die Kekolos sind deutschlandweit der einzige Chor mit Kehlkopfoperierten Menschen, und ich wünsche diesem Land, und den betroffenen Menschen mehr Möglichkeiten dazu – darum möge dieses Lied in alle Richtungen flattern…
Thema Corona?
„Unser Stoma ist unser Mundschutz“ sagt eine Sängerin, die schon seit 18 Jahren damit lebt.“ darum treffen wir uns, sobald es in CoronaZeiten möglich ist.“ Mit blitzenden Augen sagt sie außerdem „darum geht es noch im Leben: dass man Kontakt hat, sich ein gutes Leben macht, leicht ist es fast nie, aber zusammen geht es einfach besser!“
Und so wagen wir uns am 25. Februar sogar an ein spanisches Lied: Solo no puedes llegar, pero solo tu puedes llegar“ – Alleine kannst Du es nicht schaffen – aber nur Du alleine kannst es schaffen.
Nach 4 Stunden neuem „Stoff“ ist die Aufnahmekapazität der 8Sänger*innen ganz schön gedehnt, aber auch das gehört zum Workshop:
Ein klein wenig Herausforderung gehört dazu, um dann über das Jahr auch Freude am Erarbeiten der neuen Songs zu haben und am Ende richtig stolz zu sein, was alles geschafft wurde!
Vielen vielen Dank an Euch, liebe Kekolos- Euren Lebensmut, Euer JA, Eure Gemeinschaft. Danke an die zauberhaften Menschen, die Salate und Würstchen, Kuchen und Torte gezaubert haben – denn natürlich gehört zum Singen in Gemeinschaft auch das Essen und Feiern, dann können Freud und Leid besser miteinander geteilt werden!
Das tolle Bild ist von Thomas Becks, der extra aus Solingen angefahren kam, um den Tag in Bild und Ton aufzunehmen. Auch dort gibt es einen Verein:
Wer mehr über die Kekolos erfaen möchte, Kontakt aufnehmen, oder selber einen Chor gründen möchte:
Im September geht es für den Chor nach Leipzig. Auf einem internationalen HNO-Ärztekongress werden sie die Veranstaltung musikalisch mit eröffnen – einfach klasse!
Ich wünsche dem Chor alles Gute und bin dankbar für die berührenden und heiteren Begegnungen!

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